Freitag, 7. Januar 2011

Cherry

Unser Labrador Retriever Hündin Cherry kam am 06.03.2010 als Pflegehund zu uns. Ursprünglich wollten wir sie als Pflegestelle auf ein neues Leben in einer neuen Familie vorbereiten und dann weitervermitteln. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt;-).

Cherry ist eine Vermehrerzuchthündin, die in ihrem Leben Welpen 'produzieren' musste. Sie stammt aus einem Vermehrerbetrieb hier in Deutschland.

Über ihr Vorleben wissen wir nur soviel, dass dort so um die 50 Zuchthunde gehalten werden. Sie leben in Zwingern, haben aber auch Auslauf in einem eingezäunten Bereich. Dort werden nicht nur Labbis 'gezüchtet', auch Beagle und andere Rassen.

Wie viele Würfe Cherry nun ganz genau hatte, wurde uns nicht gesagt. Wir bekamen vorab nur die Infos, dass Cherry eine gelbe Labrador Hündin wäre und dass sie extrem ängstlich sein soll. Und ihr Alter, 6 Jahre, waren bekannt.

Als wir Cherry also abholten, waren wir zwar auf eine ängstliche Hündin eingestellt, aber auf einen Hund, der sowohl körperlich als auch geistig in einem derartig desolaten Zustand war, damit hatten wir nicht gerechnet. Das volle Ausmaß von Cherrys Ängsten wurde uns auch erst später bewusst.

Normalerweise sind Zuchthündinnen anfangs zurückhaltend, ja auch ängstlich oder panisch. Das ist normal, dass sie vor Menschen erstmal zurückschrecken. Oft wurden ihnen schlimme Dinge angetan.
Über Cherry bekamen wir noch zusätzlich die Info, dass sie bis zu ihrem 1. Lebensjahr bei jemand anderem gelebt hätte und dann erst an die 'Zuchtstätte' gegeben wurde. Angeblich wurde sie in ihrem 1. Lebensjahr geschlagen und misshandelt, was die extreme Ängstlichkeit begründen sollte.

Demnach hat der Vermehrer Cherry 5 Jahre lang in diesem seelischen Zustand belassen, scheinbar ohne eine Verbesserung für sie herbeizuführen. 
In Deutschland werden Zuchtstätten auch von Amtstierärzten aufgesucht und kontrolliert. Solch ein Tier in so einem geistigen Zustand zu belassen, ohne auch nur Ansatzweise eine Verbesserung herbeizuführen, ist mehr als grob fahrlässig. Tierschutzrelevant sowieso, aber im Grunde interessiert es ja niemanden. Ein Welpenkäufer bekommt so eine misshandelte Mutterhündin in den wenigsten Fällen zu sehen. Und selbst wenn, interessiert es ihn dann leider auch nicht.

Davon mal abgesehen, dass wir das Märchen mit der Misshandlung im 1. Lebensjahr durch eine fremde Person nicht glauben wollen. Vermehrer gehen in der Regel nie freundlich mit ihren Tieren um. Das sind Produkte, die ein anderes Produkt herstellen - den Welpen, den man gewinnbringend verkaufen will! Zuchthunde werden schlecht gehalten, bekommen billiges, minderwertiges Futter, tierärztlich oft nicht versorgt oder nur unzureichend. Seelisch werden diese Hunde oft einfach nur kaputt gemacht. Geschlagen, getreten, misshandelt, traumatisiert, gefügig gemacht.

Ich möchte nun hier die Geschichte von Cherry erzählen. Diese Hündin hat viel durchgemacht in ihrem Leben. Für einen Hund alleine eigentlich viel zu viel. Cherry's Geschichte ist leider auch eine von vielen Geschichten über ehemalige Zuchthündinnen, denn Zuchthündinnen wie Cherry gibt es leider wie Sand am Meer! Und leider auch hier in Deutschland.

Cherry wurde uns übrigens über den Verein Retriever und Freunde e.V. als Pflegehund anvertraut und später vermittelt.
Infos über den Verein gibt's unter http://www.retriever-und-freunde.de/


(c) HIlke-Inse Heldt


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